Das Privileg der Ignoranz

„Ich sehe mich nicht als Cis-Mann“, als Einwand eines Cis-Mannes auf den freundlichen Hinweis, die anstehende TBTN-Aktion (Termin siehe unten) sei tunlichst als reine FLTI- Veranstaltung konzipiert und er könne da nunmal nicht mit.

Dieses Negieren in (nicht nur) queerfeministischen Zusammenhängen erarbeiteter Definitionen zu Diskriminierungsvorgängen usw. bedeutet im Klartext soviel wie: Hey, lasst mich mitspielen. Ich spiel aber nicht nach euren Regeln.

„Wir sind doch alle nur Menschen, das gewählte oder zugewiesene Geschlecht ist nicht wichtig“, folgt gern als Argumentationshilfe. Etwas zu vereinfacht. Anybody remember Luise F. Pusch? Das Deutsche als Männersprache. Schon das Wort „Mensch“ kommt aus derselben Wurzel und ist von der Bedeutung her jahrhundertelang identisch gewesen mit dem Wort „Mann“. Wer nicht Mann war – war nichts, durfte nichts, galt nichts. Mankind. Brüderlichkeit. Man, redet nunmal so, wie man es gelernt hat…
Heute ist das nicht mehr ganz so krass, aber Marginalisierungen lassen sich nicht weg“machen“ durch Negation. Verbal menschelt die Szene, das ist gut gemeint, nützt bloß allein noch nicht so viel. Siehe oben. Sprache tradiert Weltanschauung, tradiert gesellschaftliche Verhältnisse.

„Warum müsst ihr Queerfeminist*innen immer die Männer ausgrenzen?“ sekundieren liebe, tolle, sich selbst als feministisch begreifende Frauen*… Sowas bringt mich auf, tut mir weh, lässt mich laut und hart werden.

Es geht um Selbst-Ermächtigung. Begreift das doch mal als EINgrenzung. Wir sind in einem bestimmten Diskurs, auf einem bestimmten Stand (der natürlich nicht statisch ist) und wollen ganz einfach mal nicht bei jeder verdammten Aktion die Erklärbär*in geben. Wollen nicht immer wieder darauf warten, dass auch der verhornteste Cis-Männer-Hirn geschnallt hat, dass da jetzt wirklich eine Grenze gemeint war. Allein die gegebene Normalität, die Legitimität der Abgrenzung von FLTI-Personen gegenüber Cis-Personen immer wieder anzuzweifeln, belegt doch, wie notwendig diese Grenze ist!

Literatur zu queerfeministischen Themen gibt’s nicht erst seit heute Morgen. Lest sie doch einfach, ihr armen, ausgegrenzten Cis-Männer, gründet eure eigenen, exklusiv cis-männlichen Gesprächs- und Aktionszirkel und reflektiert eure Privilegien. Vor allem das Privileg der Ignoranz. Ihr könnt es euch nämlich immer noch leisten, uninformiert zu bleiben und ohne profundere Kenntnis einer Situation Forderungen zu stellen.

Und, liebe männersolidarische Politfrauen*: Die HERR-schenden Verhältnisse existieren leider noch immer. Wir sind alle Teil des Systems (so ungern wir uns so sehen mögen). Durch unsere Mit-Wirkung werden FLTI-diskriminierende Strukturen entweder gefördert oder bekämpft. So einfach ist das.
Which side are you on?

queerfeministische*gruppe

TAKE BACK THE NIGHT!
Demo: So., 30.04.2017, 21:00, Ziegenmarkt Bremen


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