Vorwort der Verf.*innen

Die Vorkommnisse, auf die wir uns im Folgenden beziehen, liegen schon einige Monate zurück. Wir hatten eigentlich vor, einen Beitrag dazu in der Bremer LaRage zu veröffentlichen, doch Monate nach deren redaktioneller Deadline lässt das Erscheinen der LaRage #19 leider immer noch auf sich warten. Daher nun also hier und selbst gemacht.

Uns geht es weniger darum, eine*n einzelne*n sexistische*n Mann* zu outen oder eine einzelne „linke“ Organisation zu diskreditieren. Wir finden aber schon, dass darüber gesprochen werden sollte, was so „zwischendurch passiert“. Es geht uns um tradierte sexistische Verhaltensweisen, die geduldet und immer wieder bestätigt werden. Es geht um Hierarchien in Organisationen, die ihre Auswirkungen haben – obwohl wir doch an einer hierarchiefreien Utopie arbeiten (jedenfalls tun das einige von uns). Es geht um szeneinterne Repression gegen unbequeme Kritik. Und es geht um (Gruppen-) Dynamiken, die dazu führen, dass immer wieder Frauen*/Queer-/Trans-/Interpersonen gemischte Zusammenhänge verlassen (müssen), weil eine aufrichtige, solidarische Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Es geht im Nebensatz auch darum, wie sich Politkumpels* gegenseitig die Eier* schaukeln, sobald sich eine*r vom bösen, bösen Sexismusvorwurf getroffen sieht.

(Und ja, gelegentlich gehen auch Cis-Männer, die’s nicht mehr aushalten. Das ist aber nicht unser Fokus: Wir denken, dass Männer* ihre Männer*arbeit selbst machen können und sollen. Fühlt euch an dieser Stelle solidarisch dazu ermutigt!) Uns geht’s hier vor allem um den omnipräsenten Klassiker: geduldeten Sexismus in der gemischten Politgruppe.

Es gibt viel Wut und Ekel bei den Betroffenen*. Solidarisiert euch, arbeitet gruppenübergreifend zusammen, tut, macht, outet, wenn ihr das wollt, tretet den HERR-schenden Verhältnissen entgegen wo immer ihr könnt – oder ins Knie oder…! Und passt auf einander auf, Sisters*. (Not just Cis-ters!)

Wer* lesen kann, ist klar im Vorteil und manche Leute* denken sogar mal nach, bevor sie kommentieren. Auf deren solidarische, kritische, ernstzunehmende Rückmeldungen freuen wir uns, Gender völlig wumpe. Auf Derailing, Trolling und den ganzen anonymen sexistischen Shitstorm verzichten wir dankend!

Wir wünschen uns im gemischten Spektrum eine ehrliche Außeinandersetzung mit (eigenen) Fehlern und Widersprüchen. Zurzeit scheint es, gibt es nur zwei Alternativen: Entweder „das Opfer*“ wird rausgemobbt oder „der Täter*“ fliegt. Kein Wunder, dass da soviel gelogen und unter den Tisch gekehrt wird!
Bereichernd in einem Diskurs über den Umgang mit Sexismus finden wir Entwicklungen zu Accountability und Transformativer Hilfe (http://transformation.blogsport.de/2009/03/08/gedanken-ueber-gemeinschaftliche-hilfe-in-faellen-von-intimer-gewalt-komplett/).
Einstweilen, bis solche deeskalativen Strukturen greifen, stehen wir allerdings an der Seite der verletzten Person* und haben kein Problem mit dem Ins-Knie-oder-sonstwohin-Treten.

Allerliebste queerfeministische Grüße
qu_f*gr (hb)